Von der Gemeinsamkeit der Heilpraktiker/innen, einer zentralen Vertretung und den vielen Berufs- und Fachverbänden

Wäre es nicht der einfachste Weg, sich in nur einem Verband zu organisieren? Das genau dieses nicht geschieht, hat viele gute Gründe. Pluralismus ist ein wesentliches Element in einem demokratischen Rechtsstaat. Die Menschen und ihre Ideen sind vielfältig und alle haben im Rahmen der Verfassung das Recht, diese Vielfältigkeit auch zu leben.

Berufs- und Fachverbände spiegeln diese Unterschiedlichkeit, viele Ideen zu haben und diese auch umzusetzen, zumindest den Versuch zu starten. Heilpraktiker/innen gründen neue Verbände, wann immer und warum immer sie dies für notwendig erachten.

Dies gilt erst recht, wenn die Vorstellungen unterschiedlicher Natur sind:
Wie nah sollen die Heilpraktiker/innen an die universitäre Medizin heranrücken?
Wie soll Therapiefreiheit im Spannungsfeld von Patientenschutz, Ausbildung und Nicht-Wissenschaftlichkeit bestehen können?
Wie engmaschig muss Kontrolle stattfinden und wer übt diese aus?

Alleine aus diesen drei Fragestellungen entstehen mindestens fünf Berufsverbände.

So ist es aber auch in jedem anderen Gesundheitsberuf. Lediglich bei den Ärzten, Zahnärzten und Psychotherapeuten gibt es durch die Zwangsmitgliedschaft in den jeweiligen halbstaatlichen Berufskammern mit ordnungsrechtlichen Funktionen den Anschein von Einheitlichkeit. Neben den Kammern aber existieren viele, viele Berufs- und Fachverbände und die Auseinandersetzung untereinander ist nicht weniger heftig.

Jahrzehntelang hatte sich der Gesetzgeber weitestgehend aus der Organisierung der Heilpraktiker/innen herausgehalten. Die Gesetze und Verordnungen über die Rechte und Pflichten schienen auszureichen.

Das hat sich offensichtlich geändert. Berufsrechtliche Veränderungen stehen an. Und der Wissensstand über das Heilpraktiker-Recht ist unterschiedlich stark ausgeprägt.

„Dass ältere Ansätze, die teilweise über Jahrzehnte diskutiert wurden, keine Lösung bieten, sollte klar sein: Wenn die Argumente dieselben sind, werden die Antworten ebenfalls dieselben bleiben. Und das hat nicht aus der bisherigen Situation geführt. Es werden neue, kreative Ansätze gebraucht, die von allen Beteiligten die Bereitschaft zur Bewegung verlangen.„
(Zitat aus: Zukunftsperspektiven für die Ausbildung … Fachverband deutsche Heilpraktikerschulen e.V. Juni 2020)

Es dürfte deshalb wichtig sein, über das Thema Ziele, Zusammenarbeit und Kommunikation - sprich: Gesprächskultur untereinander - verstärkt nachzudenken und vor allem zu reden.

Derzeit gibt es keine zentrale Vertretung der Heilpraktiker/innen, wohl aber mehr oder minder gut funktionierende Zusammenkünfte.

Einheitlichkeit unter den Verbänden wird so nicht hergestellt, die ist aber vielleicht im traditionellen Sinne auch nicht möglich und vielleicht auch nicht notwendig.

Es gibt den DDH-Dachverband Deutscher Heilpraktikerverbände und die Gesamtkonferenz Deutscher Heilpraktikerverbände. Beide Gruppen vertreten jeweils einen Teil der Verbände, nicht alle und schon gar nicht die vielen Heilpraktiker/innen, die sich keinem Verband angeschlossen haben.

Andere Konferenzen oder Zusammenschlüsse definieren sich anders, z.B. das Offenbacher Treffen der Berufs- und Fachverbände. Dieses Treffen besteht schon seit 11 Jahren mit recht vielen teilnehmenden Verbänden. Hier wird mit großer Ernsthaftigkeit 2 x im Jahr gemeinsam und kollegial besprochen, welche großen und kleinen Themen den Heilpraktiker/innen-Beruf gerade plagen und welche Lösungsmöglichkeiten vorhanden sind.

Es ist nicht problematisch und auch kein Nachteil für Zusammenarbeit, wenn Information und Austausch auf verschiedenen Ebenen und unter verschiedenen Netzwerken stattfindet. Wichtig ist nur, dass ein respektvoller und ehrlicher Umgang miteinander geführt und Gemeinsamkeit nicht nur in Wort, sondern auch in der Tat praktiziert wird. Da hakt es an der einen oder anderen Stelle manchmal und da werden wir alle noch sehr intensiv dran arbeiten müssen.

Wichtig in der Zusammenarbeit ist auch, dass diese nicht als Selbstzweck stattfindet. Wir müssen daraus Handlungen entwickeln können, wodurch es einen Sinn macht, Gemeinsamkeit, Gemeinschaft zu organisieren.

Zuhören, Argumente austauschen und reflektieren, ob es Veränderungen oder Verbesserungen an der eigenen Position geben müsste. So entsteht Gemeinsamkeit und wenn das viele machen, hätten wir die beste Zusammenarbeit, die man sich überhaupt nur vorstellen kann.

Und dann erst wird wirklich trennendes sichtbar.

Wichtige politische Kreise wünschen sich Ansprechpartner unter den Heilpraktiker/innen und Verbänden, die für alle oder zumindest viele sprechen können. Dazu bedarf es einer formalen Ebene, die auf Offenheit, Vertrauen, Toleranz und Können aufbaut. Und davon sind manche Verbände noch weit entfernt.

Wir arbeiten an einem Zusammenarbeits-Konzept, das wir in Kürze den interessierten Verbänden und Netzwerken vorstellen werden.

Düsseldorf, den 04.09.2020, ergänzt am 30.10.2020
Dieter Siewertsen, Vorsitzender Freie Heilpraktiker e.V.

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