Die Verhandlungstage

6. Tag 4. Juni 2019
Als Zeugen wurden Heilpraktiker/innen vernommen, bei denen der Angeklagte 2010 - 2014 Ausbildungs-Praktika gemacht hatte. Sie waren mit seiner Arbeit sehr zufrieden. Er habe sorgfältig gearbeitet und sei empathisch mit Patienten umgegangen.
Nach der Mittagspause wurde eine ehem. Patientin aus Rotterdam befragt. Sie hatte das Mittel nach einer Infusion am 26. Juli 2016 in der Praxis in Brüggen mit nach Hause genommen, ihr ging es schlecht nach der Infusion (wohl aus der „neuen“ Charge des Stoffes) und sie brach die Behandlung zu Hause und dann generell ab.
Auf die Frage des Richters, was sie von Herrn R. als Heilpraktiker halte, antwortete sie:
„Ich glaube, dass er ein Herz aus Gold hat, dass er Menschen wirklich helfen möchte.“ „Ich denke schon, dass er Fehler gemacht hat. Er sollte nicht weiter als Heilpraktiker arbeiten.“  „Als die Leute am Mittwoch krank wurden, hätte er mich warnen müssen.“
Im weiteren gab es noch ausführliche Sachverständigen-Anhörungen, bei denen sich die Angaben der Sachverständigen aus den vorherigen Prozesstagen bestätigten: Ua., es gibt keine gesicherten Dosierungen.

5. Tag 14. Mai 2009
9.30 - 20.00 Uhr. Zeugenvernehmung von Angehörigen sowie Zeugenvernehmung von Daniel S., von dem der Angeklagte die Substanz 3-BP bezogen hat. Daniel S. ist Physiker und lebt seit 10 Jahren in den Niederlande. Seine Frau ist an Krebs verstorben. Auf der Suche nach einer hilfreichen Alternative zur hilflosen Schulmedizin stieß er auf 3-BP. Weitere Vernehmung von sachverständigen Pathologen. Diese gehen aufgrund der Obduktion von einer wahrscheinlichen Vergiftung (Überdosierung) aus.

4. Tag 30. April 2019
9.30-18.30 Uhr. Am 4. Verhandlungstag stand die Zeugenbefragung auf dem Programm. Befragt wurden: Der verwitwete Ehemann der verstorbenen Joke van der K., die verwitwete Ehefrau der verstorbenen Leentje C. und der Bruder des verstorbenen Peter van O. Außerdem war der behandelnde Onkologe von Frau van der K. in Nettetal, Dr. Jochen Post im Zeugenstand.

Über die begrifflichen Unterschiede zwischen „natürlich“, „biologisch“ und „chemisch“ wird in den nächsten Terminen noch diskutiert werden. Jedenfalls wurde noch nicht klar, ob Klaus R. die Patienten regelkonform aufgeklärt hat. In der Tatsache, dass der Richter die Zeugen Herr van L. und Frau G. sehr kritisch befragt hat, sieht man, dass sich das Gericht um Objektivität bemüht.

Insgesamt waren sieben Journalisten/innen anwesend. Eine davon ist für die ARD tätig, sie wird eine Dokumentation über das ganze Geschehen drehen.

3. Tag 12. April 2019
Zwei Medienvertreter und ein Zuschauer waren an dem heutigen nur 2stündigen Verhandlungstag anwesend. Es ging u.a. um ein weiteres vom Angeklagten infudierte Mittel: Dichloracetat DCA. Dieses wird als möglicherweise krebserregend eingestuft. 3BP und DCP wird von ihm als biologische Krebsmedizin eingestuft, da Ärzte ihm das so gesagt hätten.

2. Tag 6. April 2019
Am zweiten Prozesstag ging es u.a. um die Herstellung der Infusionslösung. Der Düsseldorfer Amtsapotheker erklärte, wie es regelgerecht hätte erfolgen müssen. Als Sachverständiger kam er zu dem Schluss, das der Angeklagte die Infusionslösungen nicht hätte herstellen dürfen. Es wird immer wahrscheinlicher, dass Klaus R. keine ausreichende Fachkunde in Zusammenhang mit dem angewendeten Verfahren hatte, die Sorgfaltspflicht verletzte, die Dokumentationspflichten vernachlässigte, die Infusionen aus ungeeignetem Ausgangsmaterial herstellte, für die er weder eine angemessene Ausstattung, geeignete Räume noch die Herstellungszulassung hatte und die nötigen Hygieneregeln verletzte.
Anwesend waren 6 Pressevertreter und 5 Zuschauer/innen. Die Verhandlung ging von 9.15 bis 18.15 Uhr.

1. Tag 29. März 2019
Am erste Prozesstag erklärte der Angeklagte Klaus R. vor dem Landgericht Krefeld, er bedauere das Geschehen, könne aber keinen Fehler an seiner Methode zum Anmischen der Medikamente sehen. Es täte ihm leid, was passiert sei. Er habe aber auf die gleiche Art Wochen und Monate vorher Patienten behandelt. Nie zuvor sei dabei etwas schiefgegangen. Er habe seither schlaflose Nächte, er wolle selbst eine Erklärung für den Tod der drei Menschen.

 

Stellungnahme des Berufsverbandes Freie Heilpraktiker e.V. zum Prozess

Todesfälle aus Behandlungsfehlern durch Heilbehandler - egal ob Heilpraktiker oder Arzt - sind die schwerste und schlimmste Folge, die wir uns überhaupt nur vorstellen können. Patient/innen kommen zu uns, um Hilfe zu erfahren. Sie können und müssen davon ausgehen, dass fachlich und sachlich kompetent gehandelt wird.

Ob in dem seit dem 29.3.2019 vor dem Landgericht Krefeld verhandelten Fall Behandlungsfehler mit Todesfolge vorliegen, wird das Gericht sorgfältig klären. Wir vertrauen auf die Objektivität und Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens und erhoffen uns eine möglichst umfassende Aufklärung der Vorgänge.

In Teilen der öffentlichen Debatte um die Heilpraktiker/innen wird der Fall um den Heilpraktiker Klaus R. aus Brüggen-Bracht inzwischen gerne benutzt, um alle Heilpraktiker/innen in eine Art Sippenhaft zu nehmen.

Unser Beruf ist jedoch rechtlich und fachlich reguliert, unsere Arbeit ist transparent und der Patientenschutz ist gewährleistet. Wir stellen allen Interessierten gerne unsere ausführliche juristische Stellungnahme zum Heilpraktiker-Recht und unser Informations-Papier „Die 10 Säulen des Heilpraktiker-Berufes“ zur Verfügung.

Düsseldorf, den 29.03.2019
Dieter Siewertsen, Heilpraktiker und Vorsitzender
des Berufsverbandes FH-Freie Heilpraktiker e.V. Düsseldorf

Hintergrund-Wissen

Vor dem Krefelder Landgericht begann am 29.3.2019 der Prozess in dem Fall Brüggen-Bracht wegen des Vorwurfes des fahrlässigen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz in vier Fällen in Tateinheit mit dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung in drei Fällen. Es sind bis Ende Juni 9 Verhandlungstage angesetzt. Wer als Zuschauer dabei sein möchte: Der Prozess ist öffentlich.

Die Staatsanwaltschaft geht bei Anmischung der Infusionslösung mit 3Bromopyruvat von einem Wiegefehler und dadurch entstandener Überdosierung durch den Angeklagten Heilpraktiker Klaus R. aus. Das Gericht wird klären, ob diese Sachlage so war und ob es in deren Folge zu Todesfällen kam.

Die Presse-Informationen des Landgerichts u.a. mit allen Terminen können Sie sich über die Website des Landgerichtes herunterladen:

Presse-Informationen Landgericht KrefeldPresse-Informationen Landgericht Krefeld

Zur umfassenden Informationen finden Sie hier hier den Text der Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Krefeld aus dem Jahre 2018:
"Anklage im Verfahren 3 Js 720/16 erhoben!

Die Staatsanwaltschaft Krefeld hat im Verfahren 3 Js 720/16, das gegen den 61 jährigen Beschuldigten Klaus R. seit Juli 2016 im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Heilpraktiker in Brüggen anhängig ist, Anklage zum Landgericht Krefeld wegen der Vorwürfe des fahrlässigen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz in vier Fällen in Tateinheit mit dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung in drei Fällen erhoben.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Beschuldigten zur Last, am 27.07.2016 in seiner Praxis in Brüggen aufgrund eines situativen Versagens für vier Patienten unter gröblicher Außerachtlassung der gebotenen und ihm zumutbaren Sorgfalt erheblich überdosierte Infusionslösungen mit dem Wirkstoff 3-Bromopyruvat hergestellt zu haben. Die infolgedessen in ihrer Qualität erheblich geminderten Arzneimittel verabreichte er sodann intravenös den vier Patienten, woraufhin drei von ihnen in der Folgezeit verstarben.

Nach dem Ergebnis der aufwendigen und in enger Kooperation mit den niederländischen Strafverfolgungsbehörden und verschiedenen rechtsmedizinischen in- und ausländischen Instituten geführten Ermittlungen nutzte der Beschuldigte zur Zubereitung der Infusionslösungen eine für diesen Zweck ungeeignete Waage. Darüber hinaus hatte er keinerlei Kontrollmechanismen vorgesehen oder geschaffen, um die von ihm eingewogene, auf das Körpergewicht und die Konstitution des Patienten individuell abgestimmte Dosierung des Wirkstoffs 3-Bromopyruvat zu überprüfen. Hierzu wäre er indes aufgrund des Umstandes, dass es sich jeweils um eine individuelle Dosierung und um eine Substanz handelte, welche auch nach den ihm bekannten Erkenntnissen sorgfältig dosiert werden musste, bei Beachtung der gebotenen Sorgfalt verpflichtet gewesen.

Infolge dieser Fehler kam es bei der Herstellung der Infusionslösungen für die vier geschädigten Patienten zu einer erheblichen Überdosierung des Wirkstoffs 3-Bromopyruvat um das 3,11- bis 6,15-fache der jeweils patientenindividuell geplanten Dosis, wodurch der Tod der drei verstorbenen Patienten verursacht wurde.

Die Herstellung und die Verabreichung des noch nicht weitergehend oder gar abschließend erforschten Wirkstoffs 3-BP waren dem Beschuldigten im Rahmen seiner Tätigkeit als Heilpraktiker nicht grundsätzlich verboten. Auch ist nach den durchgeführten aufwendigen rechtsmedizinischen Untersuchungen und den dabei herangezogenen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu der Wirkung von 3-Bromopyruvat davon auszugehen, dass grundsätzlich die Möglichkeit einer Wirksamkeit dieser Substanz gegen Krebserkrankungen jedenfalls nicht ausgeschlossen werden kann. Allerdings ist bei ihrer Verabreichung eine besondere Sorgfalt erforderlich, weil bereits eine geringe Überdosierung zu erheblichen und potentiell letalen Nebenwirkungen führen kann. Nach den hiesigen medizinischen Feststellungen durchbricht die Substanz bei Dosierungen über dem 4,5-fachen der therapeutischen möglicherweise wirksamen Menge die Blut-Hirn-Schranke und wirkt unmittelbar im menschlichen Gehirn. 3-Bromopyruvat greift dabei den Zellstoffwechsel und die Zellatmung an, wodurch Gehirnzellen absterben. Diese Wirkungsmechanismen und die sich daraus ergebenden organischen Folgen sind auch rechtsmedizinisch nachweisbar todesursächlich bei den drei verstorbenen Patienten gewesen.

Obgleich der Beschuldigte die ungeeignete Waage bereits seit April 2016 verwendet hatte, haben die Ermittlungen keine Hinweise auf vergleichbare Fälle im gesundheitlichen Verlauf bei anderen Patienten des Beschuldigten ergeben, die im Zeitraum zwischen April 2016 bis zum 26.07.2016 durch ihn mit dem Wirkstoff 3-Bromopyruvat behandelt worden sind. Daher besteht kein Anlass zur der Annahme, dass weitere Patienten des Beschuldigten durch eine Überdosierung des Wirkstoffs 3-Bromopyruvat gesundheitlichen Schaden genommen haben könnten.

Dieser Abschluss der aufwendigen Ermittlungen schafft nicht nur für die Angehörigen der verstorbenen Patienten Klarheit, was ihren Angehörigen tatsächlich widerfahren ist, sondern beendet darüber hinaus auch die Verunsicherung, die sich aus den zu Beginn der Ermittlungen erhobenen Spekulationen für die zahlreichen anderen ehemaligen Patienten des Beschuldigten ergeben hat."

Quelle: Staatsanwaltschaft Krefeld

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok