Krebsbehandlungen in einer Heilpraktiker-Praxis in NRW


Lcken in der berufsrechtlichen Regelung der Heilpraktiker oder Missbrauch der Heilpraktiker-Erlaubnis

Das Problem ist nicht das Heilpraktiker-Recht.

Todesfälle aus Behandlungsfehlern durch Heilbehandler - egal ob Arzt oder Heilpraktiker - sind der schwerste und schlimmste Vorgang, den wir uns überhaupt nur vorstellen können. Patienten kommen zu uns, um Hilfe zu erfahren. Sie können und müssen davon ausgehen, dass fachlich und sachlich kompetent gehandelt wird.
Ob in den aktuellen Fällen ein Behandlungsfehler vorliegt oder sogar eine illegale Handlung, wird durch die Staatsanwaltschaft, die Polizei und die gesundheitsamtlichen Behörden sicher und sorgfältig geklärt werden. Daraus werden Konsequenzen erwachsen.

Wir als Berufsverband vertreten folgende Auffassung:

Heilpraktiker unterliegen in ihrem Handeln einem umfangreichen Regelwerk von Reglementierungen. Hierzu gehören zahlreiche Behandlungsverbote, die sich u.a. aus dem Heilpraktikergesetz, dem Infektionsschutzgesetz und dem Arzneimittelgesetz ergeben. Heilpraktiker dürfen eine Behandlung nur dann vornehmen, wenn sie hierfür fachlich qualifiziert sind.

Heilpraktiker sind medizinisch so ausgebildet, dass in jedem Behandlungs-Einzelfall fachlich abgeschätzt werden kann, ob sie eine Behandlung übernehmen dürfen und ob sie mit alternativen Behandlungsmethoden einen Erfolg erzielen können. Ansonsten muss der Patient an einen Arzt weiterverwiesen werden. Diese medizinische Grundlagenausbildung wird vom Gesundheitsamt überprüft und findet auf der Grundlage von Regeln statt, die in Überprüfungs-Richtlinien von den Ländergesundheitsministerien erlassen werden. Die Grundlage hierfür wiederum sind die Leitlinien für die Überprüfung durch das Bundesgesundheitsministerium.

Heilpraktiker dürfen keine rezeptpflichtigen Mittel verschreiben, hierzu ist nur der approbierte Arzt berechtigt.

Die Behandlung von Patienten mit Arzneimitteln und/oder Wirkstoffen, die als bedenklich eingestuft werden, darf weder vom Heilpraktiker noch vom Arzt erfolgen. Das Arzneimittelgesetz hat hierzu klare Regeln, z.B. im § 5 und 8.

Ein Verstoß gegen diese Regeln stellt einen Straftatbestand dar, der entsprechend geahndet wird.

Setzt sich ein Heilpraktiker oder Arzt über die bestehenden beruflichen und/oder rechtlichen Regeln hinweg und gefährdet die Gesundheit oder das Leben der Patienten, ist dies ein Verstoß gegen geltendes Recht und wird entsprechend verfolgt. Daraus abzuleiten, die beruflichen oder die rechtlichen Grundlagen wären lückenhaft, ist auch im vorliegenden aktuellen Fall nicht zielführend.

Heilpraktiker dürfen auch nach jetzigem Recht bei Krebspatienten, die von der Schulmedizin bereits aufgegeben wurden, keine unrealistischen Heilungserwartungen wecken. Einem krebserkrankten Patienten kann allein eine Linderung seiner Schmerzen, nicht jedoch Heilung der Krebserkrankung in Aussicht gestellt werden. Bereits austherapierte Patienten müssen auf die Möglichkeiten der Palliativmedizin hingewiesen werden. Verschleiernde oder das realistisch erreichbare Behandlungsziel verzerrende Aussagen erfüllen nicht die Aufklärungspflicht des Heilpraktikers. Dies führt dazu, dass die Behandlung rechtswidrig ist.

Wer sich nicht an die geltende Rechtslage hält, kann nicht durch eine Veränderung der Rechtslage von seinem Tun abgehalten werden. Hier hat der Staat mit seinen Aufsichtsbehörden seine Handlungspflicht. So hat nach der geltenden Rechtslage das Gesundheitsamt stets die Möglichkeit, die Werbung eines Arztes oder Heilpraktikers für eine Krebsbehandlung zu untersagen. Zudem ist es dem Gesundheitsamt möglich, eine Behandlung, die mit unangemessenen Risiken für den Patienten verbunden ist, zu verbieten.


Düsseldorf, den 19.08.2016

Dieter Siewertsen, Heilpraktiker und Vorsitzender
Für den Vorstand des Berufsverbandes FH-Freie Heilpraktiker e.V.


 
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