Stern-Stunden?


Eine Kolumne


Was sich Teile der Presse seit einiger Zeit leisten, kann nicht als Sternstunde des Journalismus begriffen werden. Im Gegenteil.

Natürlich haben wir  in Deutschland wie in den meisten europäischen Staaten Meinungs- und Pressefreiheit. Auch der Stern und andere Medien dürfen ihre Meinung verbreiten.

Aber es wird ungehemmt zugespitzt, scharfzüngig formuliert und Einzelfälle hochstilisiert. Es werden Themen bearbeitet, von denen die Chefredaktion glaubt, Käufer erreichen zu können. Es geht möglicherweise nicht so sehr um seriöse und objektive Berichterstattung, sondern um „Skandalmeldungen“, die den Leser zum Kaufen des Produktes animieren.

Geschickt werden in Artikeln subjektive Meinungen, objektive Tatsachen und Einzelfälle vermischt, manches kommt nicht einmal aus dem Heilpraktiker- sondern dem Arzt-Universum

Leser sollen Angst bekommen, verunsichert werden, empört reagieren.

Im Editorial unserer gerade erschienen Zeitschrift WIR.Heilpraktiker haben wir geschrieben:

Uns scheint, dass sehr viel mit Angst gearbeitet wird und weniger mit rationalem Einschätzen der Si­tuation. Dies bedienen bestimmte Medien und Politiker, die nicht den verantwortungs­vollen Umgang der Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker mit den Krankheiten der Pa­tienten in den Fokus stellen, sondern eine diffuse Angst, die aus dem Hexenfeuer­zün­delnden Mittelalter heraufgekrochen zu sein scheint.

Da das einige Schulen, Verbände und Heilpraktiker/innen schon immer so gesehen haben, vereinigen sich gezielte und durchaus wirtschaftliche In­teressen mit Ängsten und erzeugen einen weiteren Sog, an dessen Ende nicht zwangsläufig ein gefestigter und aner­kannter Heilpraktiker­Beruf stehen wird.

Die Verkaufszahlen dieser Presse-Erzeugnisse sind seit Jahren teils dramatisch rückläufig. Geld wird ohnehin nicht mit dem Verkaufspreis verdient, sondern mit Werbeanzeigen. Sind die Verkaufszahlen rückläufig, sinken die Anzeigenpreise. Also muss regelmäßig die berühmte Sau durchs Dorf getrieben werden, damit sich Auflagenzahlen stabilisieren.

Mit dem Bericht über gute alternative Therapien, verantwortungsvollen Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern, nachweisbaren (evidenten) Erfolgen kann die Auflage nicht gesteigert werden (glauben die Betriebswirtschaftler und Unternehmensberater der Verlage).

Also werden sich scheinbare populäre Themen und Einzelfälle herausgepickt, aufgebauscht und zu Hackfleisch verarbeitet. Gesundheit ist ein solches Thema.

Wochenlang hat die sog. Recherche-Abteilung detektivisch-journalistisch gearbeitet. Alleine das Interview mit dem DDH-Heilpraktiker-Verbandsvertreter hat über 2 Stunden gedauert. Abgedruckt werden wenige Sätze: Soviel zur Objektivität.

Letztendlich aber gilt (und das Wissen auch unsere Widersacher):
Jede Patientin, jeder Patient, der/dem wir in unserer Praxis helfen können, hilft der alternativen Medizin und führt die Inhalte von unseeligen Artikeln ad absurdum.

24.4.2017
Dieter Siewertsen
Vorsitzender Freie Heilpraktiker e.V.


 
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